Musik der Sufis

„Das Publikum war von den Vorführungen fasziniert. „Karte gesucht“ stand auf Pappschildern, denn das Gotteshaus war ausverkauft.“ (Hamburger Abendblatt)

dervislerklein

Geistliche Musik aus der lebendigen Tradition der Sufis und Derwische. Musik aus dem 12.-19. Jahrhundert mit Texten der grossen Meister wie Yunus Emre, Azis Mahmud Hudai, Abdel Kadir Geylani, Shah-i Nakshibend.
Kompositionen von Dede Efendi, Zekai Dede, Kutbi Dede, Sheyh Mesud, Sadeddin Kaynak

 

Die Tradition der Sufis mit ihren drehenden Derwischen stammt aus Anatolien und lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Mit mystischen Gesängen, betörend- zirpenden Flöten und ekstatischen Perkussionsklängen wird Musik als Weg zur Liebe, die letztendlich Gott ist, verstanden. Das Programm präsentiert einen Querschnitt aus der noch heute im Orient lebendigen Tradition der Sufis, stellt ihre grossen Komponisten und Meister der spirituellen Liedtexte vor.

Zeig dich wie du bist,
oder sei wie du dich zeigst. Mevlana (Rumi)

 

Laut des islamischen Glaubens schloss Gott noch vor der irdischen Existenz der Menschheit einen heiligen Bund mit den Seelen. Gott sprach »Bin ich nicht euer Herr?«. Die Seelen antworteten: »Ja, wir bezeugen es!« Dieser Bund, der noch vor der körperlichen Existenz zwischen dem Schöpfer und allen Seelen ausgesprochen wurde, wird »Qalu bela« genannt. Dieses in der islamischen Theologie oft diskutierte Thema verbindet nicht nur Muslime, sondern alle Menschen. Heute suchen wir alle nach den großen Unterschieden und nach dem, was uns trennt. Was aber sind die Gemeinsamkeiten? Judentum, Christentum und Islam, drei monotheistische Religionen, die an denselben Schöpfer glauben. Gemeinsame Propheten wie Adam, Noah, Moses und ebenso Jesus, der im Islam als Prophet verehrt wird, bezeugen dies. Istanbul ist die Wiege der Kulturen, Byzanz Zentrum christlichen Glaubens und später Hauptstadt des Osmanischen Reiches und Imperium des Kalifen über alle Muslime. Unter den Osmanen leben hier Christen, Juden und Muslime. Eine Kirche, Wand an Wand mit einer Moschee – nichts ungewöhnliches im Stadtbild dieser Metropole. Viele Sultane haben eine christliche Mutter und werden unter anderem von griechischen und armenischen Lehrern z.B. in Musik und Kunst unterrichtet. Sephardische Juden, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden und die ebenso in Europa nicht gern gesehen waren, werden von den Osmanen aufgenommen und finden hier eine neue Heimat. Istanbul ist seit nun mehr als 1000 Jahren Schmelztiegel der Rassen, Kulturen und Religionen und bietet jenen eine friedliche Koexistenz unter dem Halbmond.
Wie ist es heute? Diese Toleranz zwischen den drei Weltreligionen scheint im 21. Jahrhundert an Kraft verloren zu haben. Seit 50 Jahren leben nun mitten in Europa Menschen, die zuerst als Arbeitskraft nach Deutschland geholt wurden und die deutsche Wirtschaft mit aufbauen sollten. Dass diese Menschen aus einer fremden Kultur kamen und ebenso Muslime waren, hat man im Nebel des Wirtschaftswunders gerne verdrängt. Die Auseinandersetzung mit dem anderen, dem Gastarbeiter hat nicht stattgefunden. Es wird von Parallelgesellschaften geredet, kluge Köpfe schreiben Bücher über das Problem des Fremden, und die Nation diskutiert … Wir haben uns voneinander entfernt. Islamistische Gefahr, Selbstmordanschläge, Schläfer, Hassprediger – Schlagworte, die den eigentlichen Islam ins falsche Licht zerren und Angst schüren. Clash der Kulturen und Religionen. Wir entfernen uns von unseren inneren Werten. Der Sufismus als Weg (Tariqa) als ein mystischer Pfad, auf der Suche nach dem Geliebten. Seit dem 8. Jahrhundert bis heute dieselbe Botschaft. Respekt vor dem anderen ist Respekt vor der Schöpfung. Für den Sufi und Derwisch ist die Liebe das Wichtigste, um die Einheit mit Gott zu erreichen. Wie die Falter vom Licht der Flamme angezogen in dessen Feuer verbrennen und Eins mit ihm werden… Die mystische Gotteserfahrung des Einsseins mit dem Herrn der Schöpfung. Vielleicht sollten wir uns an den Urvertrag erinnern, wo wir alle einem Herrn und Gott unsere Zugehörigkeit bezeugten? Musik hilft uns dabei …
Aşk olsun

 

Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Okzident!
Nord- und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände!
Johann Wolfgang von Goethe

 

IN LEIDENSCHAFT fiel tief mein Herz –
Sieh, was die Lieb‘ aus mir gemacht!
Ich gab mein Haupt an Streit und Schmerz –
Sieh, was die Lieb‘ aus mir gemacht!

Ich weine still in mich hinein,
In Blut färbt mich die Liebe ein,
Kann nüchtern nicht, verwirrt nicht sein –
Sieh, was die Lieb‘ aus mir gemacht!

Bald weh‘ ich, wie der Wind es tut,
Bald staub‘ ich, wie ein Weg voll Glut,
Bald fließ‘ ich, wie des Wildbachs Flut –
Sieh, was die Lieb‘ aus mir gemacht!

Blaß meine Haut, mein Auge weint,
Mein Herz zerstückelt und versteint,
Erfahren und dem Schmerz geeint –
Sieh, was die Lieb‘ aus mir gemacht!

Als armer Yunus wohl bekannt,
Von Kopf bis Fuß voll Wundenbrand,
Ich schweife fern von Freundeshand –
Sieh, was die Lieb‘ aus mir gemacht!

Yunus Emre (ca.1241 – ca.1321)

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